Helena Christensen trug in Cannes nacktes Schwarz

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Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden. Oder zumindest gebeugt. Helena Christensen entschied sich für Letzteres. Eigentlich hat sie sich für Ersteres entschieden. Sie lief über den roten Teppich der 79. Filmfestspiele von Cannes zur Premiere von „Amarga Navidad“ und sah aus wie ein Geist aus einer dunkleren, kühleren Vergangenheit.

Das Kleid war von Roberto Cavalli. Schwarz. Geschreddert. Technisch gesehen galt es als nacktes Kleid. Es schrie nach Gothic-Romantik ohne jede Entschuldigung.

Letztes Jahr hieß es, keine Haut mehr. Speziell die Brust. Dieses Jahr? Christensen hat das nicht gehört.

In der vergangenen Saison hatte Cannes das Entblößen der Brustwarzen ausdrücklich verboten. Ein strenges Dekret. Eine davon sollte Bescheidenheit in der Haute Couture durchsetzen. Helena war es egal. Auch sonst schaute niemand zu. Sie war auch nicht die Einzige, die gegen das Verbot verstieß. Viele andere schlossen sich der Rebellion gegen die mit Stoff bedeckte Compliance an.

Das passt jedoch zu ihrem Schema. Christensen predigt seit Jahren Körperpositivität. Sie trägt ihre Kurven wie eine Rüstung.

„Kurven sollten zur Schau gestellt werden, wenn man Lust dazu hat“, sagte sie zu Harper’s Bazaar.

Das ist ein kraftvoller Satz. Einfach. WAHR. Sie glaubt, dass Kleidung dazu da ist, jede schöne Form des Körpers einer Frau zu formen. Verstecke sie nicht. Zähme sie nicht. Sie mag ihre Kleidung mit einem ausgefallenen Touch. Geometrische Linien. Düsterromantische Objekte. Die Art von Mode, die zurückstarrt.

Wen interessiert es, was die Festivaldirektoren in einem Memo geschrieben haben? Stil ist keine Vorschrift. Es ist eine Erklärung.

Vielleicht wird das Regelbuch nächstes Jahr nur zum Anzünden verwendet. 🔥